Im ersten LESERAUM in der neuen Spielzeit ist Mehdi Moradpour unser Gast. Gemeinsam lesen wir Auszüge und sprechen mit dem Autor über zwei Texte.
7. Oktober 2026 16:00 - 17:30 Uhr MESZ via ZOOM
LESERAUM mit Mehdi Moradpour
GOODBYE GIGANTEN
und
DIE VERHANDLUNG DER TRÄUME
Moderiert wird der LESERAUM von Ulrike Syha.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Vorbereitung ist nicht notwendig.
Über die Texte
Goodbye Giganten
Die Erzählerin in GOODBYE GIGANTEN ist eine Tagebaugrube. Sie beobachtet die Menschen, die an ihre Abbruchkante treten und von der Tiefe des Abgrunds magnetisch angezogen werden. Die Grube blickt zurück auf die Menschheitsgeschichte, blickt auf die Menschen, die sich die Natur untertan machen.
„In ihren Augen
bin ich ein Werk menschlicher Power;
ein Blick, der sich öffnet und
die Herzkammer des Planeten enthüllt.
Und dieser Teil von mir,
der in diese Menschen zurückschaut,
und von ihren Augen aus die Welt beobachtet,
löst in ihnen gar keine Angst aus,
wie in vielen anderen Lebewesen,
im Gegenteil,
dieser Krater,
diese Schöpfung der menschlichen Hand,
flüstert ihnen zu:
− Es gibt keine Grenze, die zu hoch ist, und kein Geheimnis, das zu tief liegt, um nicht von dir durchdrungen zu werden.“ (Auszug)
Das Stück ist noch frei zur Uraufführung.
Die Verhandlung der Träume
Vor dem Hintergrund eines abgewiesenen Asylantrags erzählt Mehdi Moradpour in dem Gerichtsdrama DIE VERHANDLUNG DER TRÄUME wie seine Figuren, der Dolmetscher Caliban und die Richterin Mira, ihre Berufe und Rollen neu definieren. Zunehmend gleitet die Verhandlung ins Absurde und zwischen Trauer und Humor verhandelt das Stück Fragen zu Migration, Exil und Machtstrukturen.
„Ich habe meinen Vater als einen Träumer kennengelernt, dessen Träume
ich nicht wirklich kannte. Dessen Psyche lebenslang von Wahrheit und
Illusion des sozialen Aufstiegs geschaukelt und von der Scham begleitet
wurde. Den wirtschaftlichen Aufstieg für seine Familie hat er geschafft,
aber die Scham wird er nicht los. Sein Leben lang hat man ihm das Gefühl
gegeben, weniger wert zu sein, weil er einer ethnischen Minderheit
angehörte und weil er eine Ausländerin geheiratet hat.
Er spricht nicht darüber.
Aber er singt. Und geht spazieren.
Manchmal geht er an den Rand der Autobahnbrücke und weint. Dann schreit er sein Herz an die Autos und sagt: Diese Autobahn habe ich asphaltiert“
(Auszug aus DIE VERHANDLUNG DER TRÄUME)
DIE VERHANDLUNG DER TRÄUME wurde 2025 am Schauspielhaus Wien in der Regie von Marie Bues uraufgeführt.
Mehdi Moradpour ist Autor, Gerichts- und Community-Dolmetscher sowie Übersetzer für Persisch (Farsi & Dari) und Spanisch. Nach einem abgebrochenen Studium im Iran studierte er ab 2004 Hispanistik, Informatik, Soziologie und dann Amerikanistik und Arabistik in Leipzig und Havanna sowie ab 2014 Szenisches Schreiben in Graz. Seine Texte wurden mehrfach übersetzt und ausgezeichnet, z.B. mit dem exil-DramatikerInnenpreis 2016 der WIENER WORTSTAETTEN und dem Christian-Dietrich-Grabbe-Preis 2017. Er war als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen und am Schauspiel Bochum tätig und ist ab der Spielzeit 2025/26 Dramaturg am Thalia Theater Hamburg.
Die Rechte für die Texte liegen beim Suhrkamp Theater Verlag.